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Elektrophile aromatische Substitution Die für einen Aromaten typische Reaktion ist die elektrophile Substitution. Ein Aromat wie z.B. Benzol ist ein vergleichsweise.

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Präsentation zum Thema: "Elektrophile aromatische Substitution Die für einen Aromaten typische Reaktion ist die elektrophile Substitution. Ein Aromat wie z.B. Benzol ist ein vergleichsweise."—  Präsentation transkript:

1 Elektrophile aromatische Substitution Die für einen Aromaten typische Reaktion ist die elektrophile Substitution. Ein Aromat wie z.B. Benzol ist ein vergleichsweise stabiles System. Wenn ein Aromat eine Reaktion eingeht, dann möchte er diese Stabilität nicht aufgeben und aus dieser Reaktion nach Möglichkeit wieder als Aromat hervorgehen. Wie wir in der Abbildung rechts erkennen, ist ein aromatischer Ring planar, d.h. sämtliche Ringatome liegen in der gleichen Ebene.

2 Würde ein Aromat die für Alkene typische Addition eingehen, dann wäre er am Ende der Reaktion kein Aromat mehr. Unter bestimmten Bedingungen kann aber auch ein Aromat wie Benzol ausnahmsweise Additionsreaktionen eingehen, so z.B. bei der katalytischen Hydrierung, bei der pro Molekül Benzol drei Moleküle Wasserstoff H 2 addiert werden. Das Endprodukt dieser Reaktion ist Cyclohexan. Cyclohexan gehört als Cycloalkan zu den (gesättigten) Kohlenwasserstoffen, aber nicht zu den (ungesättigten) Aromaten!

3 Die typische Reaktion für einen Aromaten ist hingegen die elektrophile Substitution. Im Rahmen einer solchen Reaktion wird am aromatischen Ring ein H-Atom gegen ein anderes Atom oder eine andere Atomgruppe ausgetauscht (im obigen Beispiel gegen ein Brom-Atom). Dieses andere Atom (bzw. Atomgruppe) nähert sich dem elektronenreichen aromatischen Ring als Elektrophil (also als Reaktionspartner, der ein Defizit an Elektronendichte aufweist) daher das Adjektiv elektrophil in der Bezeichnung der Reaktion. Das Reaktionsprodukt (hier: Brombenzol) ist nach wie vor ein (stabiler!) Aromat.

4 Betrachten wir nun einen bereits substituierten Aromaten wie das Phenol. Die Abbildung rechts zeigt uns, daß das Ringsystem planar ist (im Gegensatz z.B. zum Cyclohexan, das bevorzugt in der Sesselkonformation vorliegt). Die sechs C-Atome sind sp 2 -hybridisiert, d.h. pro C-Atom bleibt ein p-Orbital übrig *), das nicht in die Hybridisierung einbezogen wird und senkrecht zur planaren Ringebene steht. *) … d.h., daß in der Außenschale eines jeden C-Atoms neben dem einen 2s-Orbital nur zwei der insgesamt drei 2p-Orbitale zu insgesamt drei sp 2 -Hybriden kombiniert werden [für die Bindungen zu den drei Nachbarn C, C und H (bzw. C, C und O im Fall von C-1)].

5 Diese zueinander parallele Anordnung ermöglicht es den sechs p-Orbitalen, oberhalb und unterhalb der Ringebene eine jeweils ununterbrochene ringförmige Überlappungszone auszubilden (Abbildung rechts). Die insgesamt sechs π–Elektronen können sich dadurch, salopp ausgedrückt völlig losgelöst (und wissenschaftlich ausgedrückt: delokalisiert), d.h. ohne konkrete Zuordnung zu einem der C-Atome, relativ frei innerhalb der Überlappungszone bewegen. Sie bilden dadurch eine sogenannte π–Elektronenwolke. Diese Delokalisierung beweglicher Elektronen ist der Grund für die Stabilität eines aromatischen Systems.

6 Beim Phenol kommt noch der Umstand hinzu, dass eines der freien Elektronenpaare am O-Atom räumlich so ausgerichtet werden kann, dass eine Überlappung des entsprechenden sp 3 -Hybridorbitals mit dem aromatischen π-Elektronensystem möglich ist. Diese elektronische Wechselwirkung, die auf der Überlappung parallel zueinander ausgerichteter Orbitale beruht, also über -Bindungssysteme hinweg, bezeichnet man als Mesomeren Effekt (M-Effekt). Wenn der M-Effekt wie im Fall der OH-Gruppe die Elektronendichte im Ring erhöht, so spricht man von einem positiven mesomeren Effekt (+M-Effekt) der OH-Gruppe.

7 Die Abbildung zeigt den direkten Vergleich zweier Substituenten mit entgegengesetzten Mesomeren Effekten: Die OH-Gruppe übt ebenso wie die NH 2 -Gruppe einen positiven Mesomeren Effekt (+M-Effekt) aus, weil das O-Atom über zwei freie Elektronenpaare verfügt, die sich jeweils in einem sp 3 -Hybridorbital aufhalten. +M-Effekt der OH-Gruppe –M-Effekt der NO 2 -Gruppe Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

8 Eines jener sp 3 -Hybridorbitale ist in der Lage, sich räumlich so auszurichten, daß es in einer Ebene mit den sechs p-Orbitalen des aromatischen Rings zu liegen kommt und mit diesen überlappen kann. Da jenes sp 3 -Hybridorbital mit zwei Elektronen voll besetzt ist, werden in der Überlappungszone (in der Abbildung durch schwarze Balken gekennzeichnet) insgesamt acht -Elektronen auf sieben Orbitale verteilt, so daß diese Überlappung für eine Erhöhung der -Elektronendichte im Ring im Vergleich zum unsubstituierten Benzol, also für einen +M-Effekt, sorgt. +M-Effekt der OH-Gruppe Elektronendichte wird hin zum Ring verschoben Elektronendichte wird hin zum Substituenten verschoben –M-Effekt der NO 2 -Gruppe Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

9 Wir merken uns: Verfügt das Heteroatom (O, N, S, F, Cl, Br, I), welches direkt mit dem aromatischen Ring verbunden ist, über mindestens ein freies Elektronenpaar, so liegt ein +M-Effekt vor. +M-Effekt der OH-Gruppe –M-Effekt der NO 2 -Gruppe Elektronendichte wird hin zum Ring verschoben Elektronendichte wird hin zum Substituenten verschoben Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

10 Die NO 2 -Gruppe übt ebenso wie z.B. die COOH-Gruppe einen negativen Mesomeren Effekt ( – M-Effekt) aus, weil das N-Atom in diesem Fall über kein einziges freies Elektronenpaar verfügt. Das entsprechende p-Orbital am N-Atom (siehe Abbildung unten links) ist daher leer. Nichtsdestotrotz ist es in der Lage, mit den sechs p-Orbitalen des aromatischen Rings zu überlappen. Diese Überlappung mit einem leeren Orbital bringt eine Verringerung der -Elektronendichte im Ring im Vergleich zum unsubstituierten Benzol mit sich (sechs -Elektronen werden auf sieben Orbitale verteilt), also einen – M-Effekt. +M-Effekt der OH-Gruppe –M-Effekt der NO 2 -Gruppe Elektronendichte wird hin zum Ring verschoben Elektronendichte wird hin zum Substituenten verschoben Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

11 Wir merken uns: Verfügt das Atom (C oder N), welches direkt mit dem aromatischen Ring verbunden ist, über ein leeres p-Orbital, so liegt ein –M-Effekt vor. Ein leeres p-Orbital liegt am betreffenden C- oder am N-Atom dann vor, wenn dieses Atom im Fall von Substituenten wie COOH, COOR, CN, CHO, NO 2 sp 2 -hybridisiert ist (in dem Fall wird ja dieses eine entscheidende p-Orbital nicht mit in die Hybridisierung einbezogen und bleibt so, wie es ist) und über kein freies Elektronenpaar verfügt. +M-Effekt der OH-Gruppe –M-Effekt der NO 2 -Gruppe Elektronendichte wird hin zum Ring verschoben Elektronendichte wird hin zum Substituenten verschoben Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

12 Zur Erinnerung: Alkylgruppen wie CH 3, C 2 H 5, C 3 H 7 haben am C-Atom, welches direkt mit dem Ring verbunden ist, eine sp 3 -Hybridi- sierung vorliegen und daher keine p-Orbitale. Eines der vier sp 3 -Hybridorbitale des C-Atoms der Methylgruppe muß natürlich mit einem sp 2 -Hybridorbital eines Ring-C-Atoms überlappen (siehe Abbildung; Markierung mit dem breiten weißen Pfeil). Andernfalls käme ja keine chemische Bindung zwischen dem aromatischen Ring und der CH 3 -Gruppe zustande. Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

13 Die restlichen drei Hybridorbitale sind bereits in eine Überlappung einbezogen, und zwar mit jeweils einem 1s-Orbital eines H-Atoms (siehe Abbildung). Eine Überlappung mit den p-Orbitalen des Rings, wie dies im Fall der freien Elektronenpaare z.B. des O-Atoms der OH-Gruppe von Phenol der Fall ist, ist hier nicht mehr möglich. Alkylgruppen können daher keinen Mesomeren Effekt ausüben. Sie müssen sich mit dem (schwächeren) Induktiven Effekt begnügen – im Fall der Alkylgruppen einem elektronenschiebenden positiven Induktiven Effekt (+I-Effekt; siehe Folien zur Nucleophilen Substitution). Ein solcher I-Effekt beruht also auf einer elektronischen Wechselwirkung, die auf der Überlappung längs der Kern- verbindungsachse beruht, also über eine -Bindung hinweg (und nicht über -Bindungen wie im Fall des M-Effekts). +I-Effekt der CH 3 -Gruppe Elektronendichte wird hin zum Ring verschoben Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring

14 Den eher seltenen Fall eines negativen Induktiven Effekts (also eines Elektronenzugs weg vom Ring über eine -Bindung hinweg und nicht über -Bindungen) haben wir im protonierten Anilin, auch Anilinium-Ion genannt, vorliegen. Die positive Ladung am N-Atom sorgt für einen gewissen Abzug von Elektronendichte über die -Bindung zwischen C und N hinweg (= – I-Effekt). Je nach pH-Wert hat Anilin also einen +M-Effekt (wenn die NH 2 -Gruppe unprotoniert ist und das N-Atom sein freies Elektronenpaar zur Verfügung hat) oder einen –I-Effekt, nämlich dann, wenn eine Protonierung stattgefunden hat und das N-Atom in der dann vorliegenden NH 3 + -Gruppe kein freies Elektronenpaar mehr hat. –I-Effekt der NH 3 + -Gruppe Exkurs: Elektronische Effekte von Substituenten auf den aromatischen Ring Elektronendichte wird hin zum Substituenten verschoben

15 Der Austausch eines H-Atoms durch ein Iod-Atom am aromatischen Ring der Aminosäure L -Thyronin kann im Laborversuch durch den Austausch eines H-Atoms gegen ein I-Atom im Phenol simuliert werden. Als Partner des Phenols für diese Reaktion wählt man in der Regel Iodmonochlorid I - Cl. Aufgrund der Differenz der Elektronegativitätswerte beider Elemente von (3,16 – 2,66 =) 0,5 ist die Bindung zwischen dem Chlor- und dem Iod-Atom leicht polarisiert. Der negative Ladungsschwerpunkt liegt dabei beim elektronegativeren Chlor-Atom. Das weniger elektronegative Iod-Atom ist in diesem Fall das positiv polarisierte Elektrophil. Elektronegativitätswerte: EN (Cl) = 3,16 EN (I) = 2,66 Zurück zur Substitution am Phenol:

16 Logischerweise erfolgt ein nucleophiler Angriff aus dem aromatischen π–Elektronensystem heraus auf dieses positiv polarisierte Iod-Atom (siehe rechter Elektronenverschiebungspfeil in beiden Abbildungen). Gleichzeitig mit dem Angriff von zwei der sechs π–Elektronen auf das positiv polarisierte Iod-Atom kommt es zum Bruch der Bindung zwischen dem Iod- und dem Chlor-Atom. Das negativ polarisierte Atom (hier: das Chlor-Atom) nimmt bei seinem Abgang als Chlorid-Ion das Bindungs- elektronenpaar als nunmehr freies Elektronenpaar mit. Die Übernahme des Bindungselektronenpaars zwischen I und Cl durch das abgehende Chlorid-Ion wird durch den (kürzeren) linken Elektronenverschiebungspfeil in beiden Abbildungen symbolisiert.

17 Als Ergebnis dieses Reaktionsschritts entsteht ein positiv geladenes Zwischenprodukt, in welchem ein C-Atom des Sechsrings mit dem Iod-Atom verbunden ist. Das Ringsystem hat hier vorübergehend seinen aromatischen Charakter aufgegeben – nur vorübergehend, wohlgemerkt, denn am Ende der Reaktion möchte der Ring auf jeden Fall wieder als stabiler Aromat vorliegen!

18 Wie die Abbildungen links und rechts zeigen, ist das mit dem Iod-Atom verbundene C-Atom hier vierbindig (es ist ja nach wie vor zusätzlich noch mit einem H-Atom verbunden !!!). Die ursprüngliche sp 2 -Hybridisierung dieses C-Atoms im planaren Ring des Phenols muß in diesem Zwischenprodukt zumindest vorübergehend gegen eine sp 3 -Hybridisierung ausgetauscht werden.

19 Die rechte Abbildung verdeutlicht uns die folgenden beiden Umstände: 1) Die sechs C-Atome des Rings liegen zwar nach wie vor in der gleichen Ebene, aber das Iod-Atom und das eine H- Atom liegen außerhalb dieser Ebene (oberhalb bzw. unterhalb). 2) Die Überlappungszone der p-Orbitale ist unterbrochen worden. Sie erstreckt sich nicht mehr ringförmig über das gesamte System hinweg (wie dies im Aromaten der Fall war), sondern nur noch über die verbliebenen fünf p-Orbitale (das sechste mußte ja für die Um-Hybridisierung von sp 2 nach sp 3 herangezogen werden).

20 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Frage: Warum haben wir ausgerechnet das C-Atom Nr. 4 für die Bindung zum elektrophilen Reaktionspartner (hier: dem Iod-Atom) gewählt? C-Atom Nr. 4 Antwort: Dies hängt mit dem +M-Effekt des bereits vorhandenen Erstsubstituenten (hier: der OH-Gruppe) zusammen.

21 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Betrachten wir in diesem Zusammenhang die mesomeren Grenzformen des Phenols. Sie lassen einen Rückschluß auf die jeweils etwas unterschiedliche -Elektronendichte an den C-Atomen des Rings zu. In den Grenzformen II, III, und IV im linken Teil der Abbildung sind die p-Orbitale der C-Atome Nr. 2, 4 und 6 nicht nur mit einem Elektron, sondern mit zwei Elektronen belegt. Diese C-Atome erhalten in der jeweiligen Grenzform eine negative Ladung. I II III IV

22 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Im rechten Teil der Abbildung sind die mit jeweils zwei Elektronen doppelt belegten Orbitale in der Überlappungszone [also das eine sp 3 -Hybridorbital des Sauerstoffs (Grenzform I) sowie die p-Orbitale der C-Atome Nr. 2, 4 und 6 (Grenzformen II, III und IV)] mit einem breiten weißen Pfeil markiert. Unter dem Strich bedeutet dies für die Ring-C-Atome Nr. 2, 4 und 6 eine etwas höhere Ladungsdichte als für die übrigen C-Atome des Rings. Sie sind daher die bevorzugten Positionen für eine Annäherung an den elektrophilen Reaktionspartner und für das Knüpfen einer Bindung mit ihm. I II III IV

23 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Dieser Einfluß der OH-Gruppe auf den bevorzugten Ort der Substitution durch den elektrophilen Reaktionspartner gilt für alle Substituenten mit mindestens einem freien Elektronenpaar (also alle Substituenten mit einem +M-Effekt). Den gleichen Einfluß haben Substituenten, die ausschließlich einen +I-Effekt zeigen (also Alkylgruppen wie CH 3 ). Da die Ring-Positionen Nr. 2 und 6, vom Erstsubstituenten (hier: der OH-Gruppe) aus betrachtet, als ortho-Positionen bezeichnet werden und die Ring-Position Nr. 4 als para-Position, werden alle Erstsubstituenten mit +M-Effekt bzw. ausschließlichem +I-Effekt als ortho-para-dirigierende Substituenten bezeichnet. I II III IV

24 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Umgekehrt sieht es freilich bei den Substituenten mit – M-Effekt (also z.B. der NO 2 - oder der COOH-Gruppe) oder ausschließlichem – I-Effekt (z.B. der NH 3 + -Gruppe des Anilinium-Ions) aus. Hier zeigen uns die Grenzformen II, III und IV des Nitrobenzols im linken Teil der Abbildung, daß gerade diese Ring-C- Atome in ortho- und para-Position weniger elektronenreich sind als die übrigen C-Atome. Diese Atome haben in den betrachteten Grenzformen nämlich leere p-Orbitale (in der Abbildung rechts mit schwarzen Pfeilen markiert), demzufolge wird ihnen in den Grenzformen eine positive Ladung zugeteilt. I II III IV

25 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Dies bedeutet, daß ortho-und para-Positionen im Nitrobenzol und allen übrigen Aromaten mit einem Substituenten mit – M-Effekt (also Benzoesäure, Benzoesäureester, Benzaldehyd, Acetophenon, …) sowie die Aromaten mit einer protonierten Aminogruppe (also z.B. Aniliniumchlorid C 6 H 5 NH 3 + Cl – ) für die Wechselwirkung und anschließende Bindung mit dem elektrophilen Reaktionspartner ungeeignet sind. Besser geeignet sind hier die beiden sogenannten meta-Positionen des Rings an den C-Atomen Nr. 3 und 5 (in der Abbildung rechts oben sind deren p-Orbitale mit breiten weißen Pfeilen markiert). I II III IV

26 Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution Erstsubstituenten wie NO 2, COOH, COOR, CHO (= Aldehyd), C=O(R) (= Keton), SO 3 H (= Sulfonsäure), NH 3 + werden daher als meta-dirigierende Substituenten bezeichnet.

27 ErstsubstituentI-EffektM-Effekt Dirigierende Wirkung –O – +I-Effekt+M-Effektortho / para –OH, –OR, –NH 2, –NR 2 –I-Effekt+M-Effektortho / para Alkyl+I-Effekt(nicht exist.)ortho / para –F, –Cl, –Br, –I–I-Effekt+M-Effektortho / para –COOH, –COOR, –CN, –CONH 2, –CHO, –NO 2 –I-Effekt–M-Effektmeta –NH 3 +, –NR 3 + –I-Effekt(nicht exist.)meta Quelle: wikipedia Diese leicht modifizierte Form einer Tabelle aus #Substituenteneffekte soll Ihnen den Überblick über die elektronischen Effekte von Erst-Substituenten am aromatischen Ring und deren dirigierender Wirkung erleichtern. Exkurs: Einfluß des Erstsubstituenten auf den Ort der Zweitsubstitution

28 Das Zwischenprodukt ist mesomeriestabilisiert. Diese Mesomeriestabilisierung beruht auf dem Umstand, daß die positive Ladung über den Großteil des Rings bis hin zum benachbarten O-Atom delokalisiert ist (d.h. die positive Ladung ist nicht auf ein einzelnes C-Atom beschränkt). Zurück zur Substitution des Phenols mit Iod. Wir haben hier die para-Position gewählt (wir hätten aber auch eine der beiden ortho-Positionen nehmen können).

29 Das hier kurzfristig vorliegende Zwischenprodukt (σ-Komplex genannt) hat zwar keinen aromatischen Charakter mehr – aber es ist immerhin zu einem gewissen Grad stabilisiert und gewinnt durch die anschließende Abspaltung eines Protons die aromatischen Eigenschaften und somit die maximale Stabilität wieder zurück.

30 Die Abbildung links zeigt die Deprotonierung, bei der das Bindungselektronenpaar zwischen C und H in das System der π-Elektronen des Rings verschoben wird. Hatte der (nicht aromatische) σ-Komplex nur vier solcher π-Elektronen im Ring, so ist das Sextett an π-Elektronen, das den aromatischen Charakter ausmacht, jetzt wieder komplett.

31 Die Abbildung rechts zeigt das wieder hergestellte aromatische System mit den sechs π-Elektronen und deren Überlappung hin zum benachbarten O-Atom. Das anorganische Nebenprodukt der Reaktion ist Chlorwasserstoffsäure H + Cl –.

32 Die untere Abbildung zeigt diesen Reaktionsschritt in der Sicht von oben auf den Ring. Die geschweifte Klammer soll die Delokalisierung der positiven Ladung im -Komplex wiedergeben.

33 Wird Iodmonochlorid im Überschuß eingesetzt, so kommt es zu weiteren Substitutionen in den beiden ortho-Positionen des Rings. Wir erinnern uns: die bereits vorhandene OH-Gruppe am aromatischen Ring sorgt aufgrund ihres +M-Effekts dafür, daß elektrophile Substitutionen (wie hier durch Iod) bevorzugt an den Ringpositionen ortho und para, also an den C-Atomen Nr. 2, 4 und 6 ablaufen.

34 Völlig analog verläuft übrigens die Umsetzung von Phenol mit elementarem Brom. In direkter Nähe elektronenreicher Bereiche wie dem -Elektronensystem eines Aromaten kommt es nämlich zu einer Polarisierung des Brom-Moleküls (siehe Partialladungen + und – an den beiden Brom-Atomen). Das partial positiv geladene Brom-Atom wird von zwei der insgesamt sechs -Elektronen angegriffen, und es kommt zur Spaltung des Brom-Moleküls unter Abspaltung eines negativ geladenen Bromid-Ions

35 In diesem Fall entstehen 4-Bromphenol (und 2-Bromphenol) als bevorzugte Produkte der Mono-Substitution.

36 Das Produkt der dreifachen Substitution von Phenol mit Brom ist 2,4,6-Tribromphenol.

37 Abschließend betrachten wir noch zwei elektrophile aromatische Substitutionen am Benzol selbst. Benzol hat aufgrund des fehlenden +M-Effekts keine so hohe Dichte an -Elektronen wie das Phenol. Es ist demnach etwas reaktionsträger als Phenol und benötigt für den Austausch eines H-Atoms gegen ein Br-Atom die Unterstützung durch einen Katalysator. BenzolBrombenzol

38 Abschließend betrachten wir noch zwei elektrophile aromatische Substitutionen am Benzol selbst. Der in diesem Fall gerne verwendete Katalysator ist Eisen(III)-bromid FeBr 3. Durch die Anlagerung des Brom-Moleküls an das zentrale Fe-Atom wird das endständige Br-Atom relativ stark positiv polarisiert – auf jeden Fall so stark, daß es nun mit den -Elektronen des aromatischen Rings in Wechselwirkung tritt und im Verlauf der Reaktion eines der H-Atome am Ring ersetzt. BenzolBrombenzol Brom Eisen(III)-bromid Brom-Eisen(III)-bromid-Komplex

39 Abschließend betrachten wir noch zwei elektrophile aromatische Substitutionen am Benzol selbst. Auch für die Synthese von Nitrobenzol durch Austausch eines H-Atoms gegen die NO 2 -Gruppe bedarf es eines Katalysators. Das in diesem Fall benötigte Elektrophil ist das NO Ion (Nitronium-Ion genannt). BenzolNitrobenzol

40 Abschließend betrachten wir noch zwei elektrophile aromatische Substitutionen am Benzol selbst. Es wird aus der konzentrierten Salpetersäure freigesetzt, in das O-Atom der OH-Gruppe an einem Proton der als Katalysator zugesetzten konzentrierten Schwefelsäure angreift. Dadurch wird die Abspaltung eines Wasser-Moleküls ermöglicht. Übrig bleibt das relativ starke Elektrophil NO 2 +. BenzolNitrobenzol Salpetersäureprotonierte Salpetersäure Wasser Nitronium-Ion

41 Auf der definitiv letzten Folie soll eine der Möglichkeiten zur Herstellung von Phenol als Reaktionsschema gezeigt werden. Eine direkte Phenolsynthese aus Benzol durch Umsetzung des Benzols mit einem Elektrophil des Typs OH + ist nicht möglich, da dieses Elektrophil extrem energiereich ist und nur in interstellarer Materie vorkommt. Eine Möglichkeit für eine Phenolsynthese im kleineren Labormaßstab (also nicht industriell) ist der Umweg über Nitrobenzol. Dessen Reduktion zu Anilin mit sogenanntem nascierendem Wasserstoff (also im Reaktionsgefäß frisch hergestellten H-Atomen aus Eisenschrott und Salzsäure, wobei das Proton der Salzsäure ein Elektron vom metallischen Eisen aufnimmt und dadurch zum ungeladenen H-Atom wird) entspricht der großtechnischen Synthese der Zwischenstufe Anilin (vgl. BASF * ). Anilin kann im Labor (wo es wegen der geringeren Mengen nicht so sehr auf den Preis ankommt wie in der großtechnischen Herstellung) mit frisch hergestellter Salpetriger Säure HNO 2 zu Phenol umgesetzt werden (Phenolverkochung ** ). Achtung: Salpetrige Säure HNO 2 darf nicht mit der Salpetersäure HNO 3 verwechselt werden! Die Salpetrige Säure HNO 2 setzt nach der Protonierung mit H + das Kation N=O + frei (Nitrosonium-Ion oder auch Nitrosyl-Kation genannt), dessen N-Atom zusammen mit dem N-Atom der NH 2 -Gruppe des Anilins als elementarer Stickstoff N 2 abgeht **). Die OH-Gruppe des Phenols stammt aus dem Lösungsmittel Wasser **). *) BASF = Badische Anilin- und Sodafabrik **) Details dazu: siehe Lehrbücher oder Wikipedia unter Verkochung. - 2 H 2 O + 6 H Reduktion Nitrobenzol Anilin Phenol


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