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Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Hospeace Idee und gesellschaftspolitische Kraft der Hospizarbeit Andreas.

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1 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Hospeace Idee und gesellschaftspolitische Kraft der Hospizarbeit Andreas Heller

2 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Die Hospizbewegung ist eine soziale Bewegung, die eine gesellschaftliche Thematisierungsleistung erbracht hat. Die Hospizbewegung ist eine soziale Bewegung, die eine gesellschaftliche Thematisierungsleistung erbracht hat. Soziale Bewegung erbringt eine Thematisierungsleistung: Sterben, Tod und Trauer auf die Tagesordnung der Gesellschaft und in den Kommunikationshaushalt der Gesellschaft gespeistSoziale Bewegung erbringt eine Thematisierungsleistung: Sterben, Tod und Trauer auf die Tagesordnung der Gesellschaft und in den Kommunikationshaushalt der Gesellschaft gespeist Die Hospizbewegung ist föderalistisch, kein Urknall, keine UrmutterDie Hospizbewegung ist föderalistisch, kein Urknall, keine Urmutter Gleichzeitig ungleichzeitig werden unterschiedliche Zugänge zur Realisierung der Idee gefunden, Hospiz im Pflegeheim, Hospiz, Palliativstation an Uniklinik, Schulung ehrenamtlicher, Rund-um-die-Uhr- Betreuungen, Bildungsarbeit, Betten im Pfarrhaus…Gleichzeitig ungleichzeitig werden unterschiedliche Zugänge zur Realisierung der Idee gefunden, Hospiz im Pflegeheim, Hospiz, Palliativstation an Uniklinik, Schulung ehrenamtlicher, Rund-um-die-Uhr- Betreuungen, Bildungsarbeit, Betten im Pfarrhaus… Die Hospizbewegung war Praxis und betroffenennah, hilfeorientiert, selbsterfahrungsbezogen und reflektiert sich im Prozess der eigenen GeneseDie Hospizbewegung war Praxis und betroffenennah, hilfeorientiert, selbsterfahrungsbezogen und reflektiert sich im Prozess der eigenen Genese

3 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Diese Thematisierungsleistung ist nicht selbstverständlich. Deutschland war ein hartes Pflaster. (Johann Student)Deutschland war ein hartes Pflaster. (Johann Student) Es gab vielfach explizite und implizite WiderständeEs gab vielfach explizite und implizite Widerstände der Verzögerungseffekt in Deutschlandder Verzögerungseffekt in Deutschland

4 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Die AIDS- Hospizgeschichte fokussiert Themen und Positionen Natürlich ist mir in der Auseinandersetzung mit den Hospizcrack irgendwie deutlich geworden, dass sie ein Konzept von Tod und Sterben haben… Und dass wir offensichtlich auch eines haben, aber ein ganz anderes… Wir hatten kein Konzept schöner Sterben, ja, also, da muss man ganz ernst sagen, das ist ein Antikonzept gewesen. Sterben ist genauso individuell wie das Leben, das gehört zum Leben dazu und damit gehört auch Sexualität dazu. Damit gehört Rausch dazu, damit gehört Ärger, Wut dazu. … wir wollen so sterben wie wir gelebt haben. … Und wenn mein Leben schrill und bunt war, dann möchte ich auch bitte schrill und bunt sterben können. (Bernd Vielhaber)

5 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Hospizbewegung und Palliativmedizin in Deutschland eine zweigleisige Entwicklung Ja, und ich bin weiterhin der Meinung, dass Palliativmedizin und Hospizidee nicht getrennt werden darf, auch nicht in der Philosophie. Das heißt, das was wir tun ist im besten Sinne hospizliche Arbeit. Und wenn Stationen sich so abgrenzen von der Hospizidee, was manchmal passiert, so halt ich das für eine falsche Entwicklung. Wir dürfen diese Wurzeln, die Cicely Saunders ja auch betont hat, die kommt ja auch aus dem hospice. Das hat so viel mehr als die, ich sag einmal, nüchterne Palliativmedizin, das, ich sag mir, man sagt, das sind zwei Seiten der gleichen Münze. Und es gibt keinen Euro, der nur mit einer Seite Zahlungsmittel ist. Da ist uns das so wichtig, dieses hospizliche Denken. (Thomas Binsack)

6 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Vom Miteinander und Füreinander und den leeren Händen …. Was ich mir nicht wünsche ist, das etwas entsteht, was es nicht nur in der Medizin gibt, sondern überall dort, wo Entwicklung stattfindet, nämlich eine gewisse Fächerarroganz. Die Palliativmedizin lebt vom Gegenteil, sie lebt von Kooperation, vom Miteinander und vom Füreinander. Ich glaube das wären die wesentlichen Dinge. (Heinz Pichlmaier) Die Haltung der leeren Hände Es ist ein wichtiger Punkt, dass wir immer wieder auch in der Hospizarbeit ein Bewusstsein für unsere Begrenztheit und uns're Grenzen bewahren. Dass wir nämlich als Betreuer mit leeren Händen kommen und eigentlich oft da am Bett sitzen und eigentlich nix haben, weder tolle Techniken noch tolle Kenntnisse noch sonst was. (Thile Kerkovius)

7 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Lehren aus der Hospizarbeit Was bedauern Sterbende am meisten? 1. I wish I´d the courage to live true to myself, not the life others expected of me. 2.I wish I hadn´t worked so hard. 3. I wish I´d the courage to express my feelings. 4. I wish I had stayed in touch with my friends. 5. I wish I had let myself be happier.

8 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Hospizbewegung in Deutschland in den 70er Jahren Gegenwind und Missverständnisse …Und ich sagte, ich hab die Absicht in Hannover ein Hospiz zu gründen. Ich dachte, jetzt würde die Frau sagen, prima Junge, mach´ so weiter. Und sie guckte mich ganz lange an und sagte dann so, sie sagte es viel höflicher, sie ist eine sehr vornehme Dame gewesen, sagt aber so, bei mir kam´s nur an, oh, oh Junge, da hast du dir aber was vorgenommen, das wird wohl nicht so ohne weiteres gehen. Sie hat es mir dann auch noch erklärt und hat gesagt, sie erlebt immer wieder, dass aus Deutschland Ärztinnen und Ärzte kommen, und sagt sie, wundervolle Leute, aber sie scheitern alle. Und ich habe damals so innerlich gedacht, na, du weisst nicht, was ich für eine Energie habe. Aber ich hab´s dann gemerkt, wie schwer das war. Also, es war ungeheuer viel Gegenwind gegen die Hospizarbeit in Deutschland. (Johann-Christoph Student) Prof. DDr. Johann Christoph Student Deutsches Institut für Palliative Care (DIfPC)

9 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Der Film: Noch 16 Tage – eine Sterbeklinik in London Es war schon auch eine Zeit lang, also massiver Widerstand von den Kirchen und dann vor allem von den Trägern, von den Ärzten, von, gerade aus dem Fach, aus den Fachbereichen war massiver Widerstand. Von der Bevölkerung war irgendwo so eine Überraschung und, ja, Irritation, soll man sich damit befassen? Und bei betroffenen Angehörigen, die solche Phasen miterlebt haben, eher so, ja, das ist doch eine Hilfe.... Das hat mich immer höchst erstaunt, dass die so ignorant reagiert haben, und so abwehrend. Und da war er schon, er ist ja nicht leicht zu entmutigen gewesen, der hat dann gesagt, ja, das braucht halt seine Zeit und Deutsche sind dümmer und so, weniger sensibel und so weiter. Und da heben wir halt im Laufe der 80er Jahre diese grundlegende Informationstour da gemacht, um überhaupt ein Stückchen weiterzukommen. (Gerburg Vogt)

10 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Ghettoisierung der Sterbenden Aber eigentlich war uns allen klar, dass es nicht darauf ankommt, hier Hospize zu bauen, auf die grüne Wiese zu stellen und einen weiteren Versorgungszweig auf zu machen, wo dann die Sterbenden betreut werden, weil, zu Recht natürlich, befürchtet wurde, dann käme es zu eine Ghettoisierung der Sterbenden. Und genau das war nicht gewollt, das hatte sich ja auch schon Jahre vorher gezeigt, als nämlich es eine kleine Anfrage mal gegeben hat zu Hospizen oder zu der Idee Hospize zu haben und Sterbende eben mit ´nem besonderen Konzept zu betreuen. Diese Anfrage - da war ich noch nicht bei der Truppe - die ist damals total abgebügelt worden von der damaligen Regierung. Nämlich mit dem Hinweis: Wir wollen diese Ghettos nicht, ne? Petra Weritz-Hanf Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

11 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Edward Raczyński 10. Dezember 1942 Ein erster, zur Ausrottung der Juden führender Schritt war bereits im Oktober 1940 die Einrichtung eines Ghettos in Warschau. … Die Lebensmittelrationen für die Ghettobevölkerung betrugen rund ein Pfund pro Person in der Woche und sonst praktisch gesehen nichts mehr. Dadurch wuchsen die Preise im Ghetto im Vergleich zu jenen außerhalb der Ghettos um das Zehnfache, die Sterblichkeit durch Erschöpfung, Hunger und Krankheiten erreichte – insbesondere in den vergangenen beiden Wintern – beispiellose Ausmaße. Im Winter 1941/42 betrug die Sterblichkeit, auf das Jahr hochgerechnet, 13 Prozent; im ersten Viertel des Jahres 1942 lag sie noch höher. In den Straßen des Ghettos findet sich jeden Tag eine große Zahl von Leichen. (463) Guesndt, Francois (Hg.): Der Fremde als Nachbar. Polnische Positionen zur jüdischen Präsenz. Texte sei Denken u. Wissen. Eine polnische Bibliothek hgg. V. Dieter Bingen, Frankfurt 2009

12 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Warschauer Ghetto, 07. Dezember 1970 Immer wieder bin ich gefragt worden, was es mit dieser Geste auf sich gehabt habe. Ob sie etwa geplant gewesen sei?... Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt. [ 4] [ 4]

13 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Götz Aly Euthanasiemorde Den Euthanasiemorden fielen zwischen 1939 und 1945 etwa Deutsche zu Opfer. Die vielen Beteiligten sprachen beschönigend von Erlösung, Lebensunterbrechung, Gnadentod, Sterbehilfe oder eben von Euthanasie. Sie agierten halb geheim, doch inmitten der Gesellschaft. Viele Deutsche befürworteten den gewaltsamen Tod der nutzlosen Esser, zumal im Krieg; nur wenige verurteilten das Morden deutlich, die meisten schwiegen schamhaft, wollten es nicht allzu genau wissen. Das setzte sich nach 1945 fort. Nur ausnahmsweise erinnerten sich Familien ihrer ermordeten Tanten, Kleinkinder, Geschwister oder Großväter. Erst heute, nach rund 70 Jahren, löst sich der Bann. Langsam tauchen jene Vergessenen wieder auf, die sterben mussten, weil sie unmoralisch, gemeingefährlich, arbeitsunfähig oder dauernd pflegebedürftig waren, weil sie ihre Familien mit einem Makel belasteten. Aly, Götz (2013): Die Belasteten. Eine Gesellschaftsgeschichte. Euthanasie Frankfurt 2013, 9

14 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Bedeutung der Pionierinnen für die deutsche Hospizbewegung Cicely Saunders hat die Institution und Elisabeth Kübler-Ross die Bewegung gefördert.Cicely Saunders hat die Institution und Elisabeth Kübler-Ross die Bewegung gefördert. (Daniela Tausch- Flammer) Cicely Saunders Elisabeth Kübler-Ross

15 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Also die Cicely Saunders war einfach eine Dame, würd ich sagen. Elisabeth Kübler-Ross, ich hätte beinahe gesagt, ein Mädchen, das stimmt natürlich nicht, aber sie hat ja von der Form der Figur und von der Kraft sowas Durchtrainiertes, ein Energiebolzen würd ich sagen. Und Cicely Saunders hat, glaub ich, ganz viel für Institution getan, und die Elisabeth Kübler-Ross hat eigentlich ganz viel für die Bewegung getan, die war eigentlich für die Hospizbewegung, indem sie die Seminare gemacht hat, mit den Ärzten, und so weiter. Sie hatte dann ja auch eine kurze Zeit dieses Aids- Hospiz, aber ich denk, sie war eher so die, die den Geist verbreitet hatte. Das hat die Cicely Saunders auch, aber auf eine andere Art… ein bisschen distanzierter. Das mein ich so mit der Dame. Und die Elisabeth Kübler-Ross so mitten rein, würde ich sagen und die Cicely Saunders hatte eine Distanz, hat immer den Anstand bewahrt, einfach Grande Dame, finde ich, das passt. Beide haben enorm viel bewirkt.Also die Cicely Saunders war einfach eine Dame, würd ich sagen. Elisabeth Kübler-Ross, ich hätte beinahe gesagt, ein Mädchen, das stimmt natürlich nicht, aber sie hat ja von der Form der Figur und von der Kraft sowas Durchtrainiertes, ein Energiebolzen würd ich sagen. Und Cicely Saunders hat, glaub ich, ganz viel für Institution getan, und die Elisabeth Kübler-Ross hat eigentlich ganz viel für die Bewegung getan, die war eigentlich für die Hospizbewegung, indem sie die Seminare gemacht hat, mit den Ärzten, und so weiter. Sie hatte dann ja auch eine kurze Zeit dieses Aids- Hospiz, aber ich denk, sie war eher so die, die den Geist verbreitet hatte. Das hat die Cicely Saunders auch, aber auf eine andere Art… ein bisschen distanzierter. Das mein ich so mit der Dame. Und die Elisabeth Kübler-Ross so mitten rein, würde ich sagen und die Cicely Saunders hatte eine Distanz, hat immer den Anstand bewahrt, einfach Grande Dame, finde ich, das passt. Beide haben enorm viel bewirkt. (Daniela Tausch- Flammer) Zwischen Institution und Bewegung

16 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Cicely Saunders und Polen Antoni Michniewicz Marian Bohusz-Szyszko David Tasma

17 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Heinrich Pera ( ): Deutsche Hospizarbeit wurzelt auch in Polen Ich selbst hatte Kontakte nach Krakau (Kraków) Polen, wo ich schon 1968 das Anliegen und die Inhalte der Hospizidee kennen und schätzen lernte. Cicely Saunders war mit dem Krakauer Professor Dr. Marian Bohusz verheiratet, so kam die Verbindung zwischen London und Krakau zustande. Im polnischen Nowa Huta gab es ehrenamtliche Helferinnen, deren Vorbereitung auf die Arbeit ich zu einem Teil übernommen hatte; Ausgangspunkt war die Kirchengemeinde, die dabei war, endlich eine Kirche zu errichten wurde diese erste Kirche in Nowa Huta eingeweiht. Dem damaligen Bischof in Krakau, dem späteren Papst Johannes Paul II., …meinte, wir benötigen keine Sterbehäuser.. …. Heinrich Pera

18 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Polen im Zweiten Weltkrieg Polen hatte auf seine Größe bezogen mehr Todesopfer zu beklagen als jedes andere Land auf der Welt. Von einer Gesamtbevölkerung, die 1939 fünfunddreißig Millionen betrug, verlor Polen über sechs Millionen Bürger, eine Verlustrate von 18 Prozent, gegenüber 0,2 Prozent in den USA, ….7,4 Prozent in Deutschland …. und 11,2 Prozent in der UdSSR. Polen wurde zum Schlachtfeld Europas, zum neuen Golgatha. (Norman Davies, Im Herzen Europas. Geschichte Polens, München 4. durchges. Aufl. 2006, ). Nirgendwo führte der deutsch-österreichische Nationalsozialismus einen solchen Vernichtungskrieg wie gegen die Zivilbevölkerung und die jüdische Bevölkerung in Polen. Adolf Hitlers Ziel: Vernichtung Polens als Feind, das auf den verschiedensten Wegen angestrebt werden muss. (Vgl. Wlodimierz Borodziej, Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München: Beck 2010, 190. Vgl auch im Überblick Ludolf Herbst, Das nationalsozialistische Deutschland = Neue Historische Bibliothek, Frankfurt: sv 1285, 1996, 279 ff.)

19 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Die Bürokratisierung der Sterbenden Ein anderes, ebenso wichtiges Resultat des bürokratischen Handlungskontextes ist die Entmenschlichung der eigentlichen Objekte bürokratischen Handelns; es beginnt damit, daß diese Objekte in technisch-formale, ethisch neutrale Begriffe überführt werden. … Wo die Objekte des bürokratischen Prozesses auf rein quantitative Einheiten reduziert werden. (117) Menschen verlieren die Eigenschaft des Menschseins, wenn sie auf Zahlen oder Nummern reduziert werden. (118)

20 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Rationalität nicht das einzige Aus der Sicht der Opfer hält der Holocaust viele Lehren bereit – die wichtigste, von den Sozialwissenschaften bisher nur am Rande zur Kenntnis genommen: Rationalität ist als einziger Bewertungsmaßstab für die Leistungsfähigkeit von Organisationen völlig unzureichend. In dieser Hinsicht besteht wissenschaftlicher Nachholbedarf, damit die Überbetonung der zunehmende Effizienz menschlichen Handelns, die zu Lasten qualitativer Kriterien wie etwa moralische Normen, nicht dazu führen soll, daß die möglichen negativen Konsequenzen nicht zu Ende gedacht werden. (ZB, 165)

21 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Die Folgen des deutsch-österreichischen Nationalsozialismus Die Reaktion einer großen Zahl von Deutschen nach 1945 war jedoch die, sich nicht erinnern zu wollen, sich nicht mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das war zwar verständlich angesichts der ungeheuren Verluste, aber forderte einen hohen Preis. Die Folgen waren seelische Leere und verdrängter Selbsthass, der dann wieder verschoben und projiziert werden musste. Mit der Abwehr der Trauer haben wir nicht nur die Fähigkeit zum Mitleid mit den Opfern und die Beziehung zur eigenen Gefühlswelt verloren, sondern sehr oft auch die Fähigkeit, eine unmittelbare Beziehung zu den nächsten Generationen aufzubauen, ein aufrichtiges Gespräch mit ihnen zu führen. (Margarete Mitscherlich, 2011, )

22 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Ein Volk das so viel Tod verursacht in der Welt Ich hab für mich so eine Antwort gehabt, die hieß, wahrscheinlich hat es etwas damit zu tun, einem Volk, das so viel Tod verursacht hat in der Welt, dass die vor dem Thema Tod eine Angst, eine Scheu haben, ist eigentlich mehr als verständlich. Dass einen so viel unbewältigte Trauer hindert, das Thema Sterben anzugehen. Prof. DDr. Johann Christoph Student und Prof. Dr. Franco Rest reflektieren im Interview die Zusammenhänge von Kriegserfahrung, Nationalsozialismus und Hospizarbeit.

23 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Sich dem Einzelnen zuwenden: Friedensarbeit Eine ganze Nation, eine ganze Gesellschaft, die an der Furcht und der Verleugnung des Todes leidet, kann sich offenbar nur noch durch Vernichtung wehren: Kriege. Aufstände, immer neue Morde und andere Verbrechen könnten durchaus auf unsere schwindende Fähigkeit deuten, dem Tod mit Würde und Bejahung ins Gesicht zu sehen. Vielleicht müssen wir uns wieder dem einzelnen menschlichen Wesen zuwenden, ganz von vorn anfangen und dann versuchen, den eigenen Tod zu fassen und zu lernen, diesem tragischen, doch unausweichlichen Geschehen mit weniger Verwirrung und Angst entgegenzusehen. (Elisabeth Kübler-Ross, 20)

24 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Pazifizierung (Rest, Franco) Das... hat natürlich mit der deutschen Geschichte zu tun, irgendwie gab es eine Verzögerung der Beschäftigung mit Sterben überhaupt. Mit dem Umgang mit Sterbenden verband man eigentlich sofort in Deutschland die Gefahr, in eine Euthanasienähe zu gelangen. Also gewissermaßen Sterbehilfe eben doch zu fördern. Und deswegen verweigerte man dem das Bewusstsein (Rest, Franco)

25 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Hospeacebewegung als Friedensarbeit "Sag mal, wenn du auf dein Leben zurückschaust, wirst du es dann nicht bedauern, dass du nicht mehr für die Friedensarbeit auf der Welt getan hast?" Dann hab ich … gedacht, - das denk ich auch immer noch -, dass Sterbebegleitung intensive Friedensarbeit ist. Denn man wird sich so sehr bewusst, wie kostbar das Leben, jedes Leben ist. Ich glaube, jemand der intensiv sich mit Sterben und Tod auseinandergesetzt hat und Sterbebegleitung wirklich macht, der kann gar nicht anders als so behutsam und liebevoll mit Leben umgehen wie es überhaupt nur möglich ist. Also verstehen sie. Ohne Ideologie - ich denke, es ist intensive Friedensarbeit. Inger Hermann, Hospizpionierin aus Stuttgart Inger Hermann, Hospizpionierin aus Stuttgart

26 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Das Versöhnende ist Schenken Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergeßlichkeit. …Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sie zum Ding und erfriert. (Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt: suhrkamp 1951, )

27 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Visionen für die Sorge um Menschen am Lebensende – Grundhaltungen und Strukturen Andreas Heller

28 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Krankheitspanorama Demographischer Aufbau der Bevölkerung Leistungsfähige Medizin, Pflege; dass schwerstkranke Kinder länger leben ist auch Folge einer interventions- orientierten Medizin Wir leben länger, und wir sterben länger...

29 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Wir leben biologisch länger, aber um eine Ewigkeit kürzer Nun aber ist der Tod im Kloster etwas durchaus Verschiedenes vom Tode in der Welt. Der Tod in der Welt ist wie ein Betriebsunfall bei einem geschäftigen Wolkenkratzerbau. Einer der schwitzenden Arbeiter stürzt vom hohen Gerüst, und seine Kollegen nehmen für ein paar Sekunden die Pfeife aus dem Mund und zwinkern scheu in die Tiefe, wissend, dass es ihnen heut oder morgen ebenso ergehen wird.

30 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Wir leben biologisch länger, aber um eine Ewigkeit kürzer Bartolomé Esteban Murillo Der Tod der heiligen Klara (1645/46) Der Tod im Kloster aber ist eine Art Richtfest der Seele, das die zünftigen Maurer und Zimmerleute feiern, wenn das Haus aufgestellt ist. Man hat mit unermüdlichem Fleiß gearbeitet für diesen einzigen Tag wo man aufatmen darf und hoffen, daß die sichere Wohnung erbaut ist für immer. Ein Todestag im Kloster kann mit der Sensation festlicher Neugierde verbunden sein. Die Nonnen drängen sich gerne um die Sterbenden zum inbrünstigen Gebet. Sie glauben, ihrer Schwester helfen zu können in den letzten Wehen. Sie fühlen sich als weise Frauen, als Hebammen der übernatürlichen Entbindung einer Seele in die andere Welt. Franz Werfel, Das Lied von Bernadette. Roman, Stockholm 1941: Frankfurt: Fischer Taschenbuch Aufl

31 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Was ich dich fragen wollte…. Sind sonst schon viel Todesfälle vorgekommen, seit du hier oben bist?…Mehrere sicher… aber sie werde diskret behandelt, verstehst du, man erfährt nichts davon oder nur gelegentlich, später, es geht im strengsten Geheimnis vor sich, wenn einer stirbt. … wenn neben dir jemand stirbt, das merkst du gar nicht. Und der Sarg wird in aller Frühe gebracht, wenn du noch schläfst… Hm, sagte Hans Castorp und zeichnete weiter. Hinter den Kulissen also geht so etwas vor sich. Thomas Mann, Der Zauberberg, erstmals 1924 erschienen. Wir sterben eher hinter den Kulissen von Organisationen

32 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Auf dem Sterbemarkt haben wir in der Autonomiezumutung ein Multioptionsdilemma Leben und Sterben heute sind kein Großunternehmen in öffentlicher, sondern ein Kleinunternehmen in privater Hand Leben und Sterben werden zum Projekt und als Projekt zum Projektil (Byung Chun Han) Die Marktgesellschaft bietet dem autonomen Menschen Sterbe- und Tötungsmöglichkeiten an: Hospizlich, palliativ, sediert, assistiert suizidiert, euthanasiert…

33 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Adam Smith (1723 – 1790) Begründer der klassischen liberalen Ökonomie Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Bauers, Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen- sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil. Niemand möchte weitgehend vom Wohlwollen seiner Mitmenschen abhängen, außer einem Bettler, und selbst der verlässt sich nicht allein darauf. Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, München:dtv 1978, 17

34 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Sterbeverwaltung… Bürokratismus kann man als Methode definieren, bei der Menschen wie Dinge verwaltet werden und Menschen wie Dinge verwaltet werden und Dinge nach quantitativen statt qualitativen Gesichtspunkten behandelt werden, um die Quantifizierung und Kontrolle zu erleichtern und zu verbilligen. Das bürokratische Verfahren wird von statistischen Daten gesteuert; Bürokraten handeln aufgrund starrer Regeln, Die auf statistischen Daten basieren, nicht in spontanere Reaktion auf die vor ihnen stehenden Personen. Sie entscheiden Sachfragen anhand der Fälle, die statistisch am häufigsten vorkommen … ( ) Dinge nach quantitativen statt qualitativen Gesichtspunkten behandelt werden, um die Quantifizierung und Kontrolle zu erleichtern und zu verbilligen. Das bürokratische Verfahren wird von statistischen Daten gesteuert; Bürokraten handeln aufgrund starrer Regeln, Die auf statistischen Daten basieren, nicht in spontanere Reaktion auf die vor ihnen stehenden Personen. Sie entscheiden Sachfragen anhand der Fälle, die statistisch am häufigsten vorkommen … ( ) Erich Fromm

35 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Wider die Bürokratisierung (des Sterbens) Genauigkeit, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Kenntnis der Akten, Kontinuität, Diskretion, Einmütigkeit, strenger Gehorsam, reduzierte Reibungsverluste sowie Material- und Personalkosten – all das erreicht in einer streng bürokratischen Verwaltung einen Kulminationspunkt … die Bürokratisierung bietet zuallererst die Möglichkeit der Spezialisierung von Verwaltungsfunktionen auf der Basis völlig objektiver Kriterien … Objektive Amtsausübung richtet sich nach berechenbaren Regeln und wird Ohne Ansehen der Person vollzogen Max Weber , deutscher Soziologe

36 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Wider die Hospizliche Normativität? …Wer nicht loslassen kann… Wer sein leben nicht durchgearbeitet hat, kann nicht gut sterben. Wer seine unerledigten Geschäfte nicht besorgt hat, dem gelingt das Sterben nicht. Wer nicht aktiv die Gestaltung des Sterbens annimmt, stirbt nicht gut, Wer das Alter nicht als eine Expansionsphase ins Spirituelle begreift, wird nicht weise.

37 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Medizin als Produktionsprozess… Mensch als Produkt in das ingenieurhaft eingegriffen wird Medizin ist auf serielle Herstellung von Gesundheit oder standardisierten Qualitätsaspekten ausgerichtet Objektive vergleichbare evidenzbasierte, ökonomische rationale Kriterien ABER Kranksein betrifft den ganzen Menschen, verändert ihn, hinterlässt Spuren Der Arzt ist als Person – die Ärztin als Persönlichkeit - wichtig

38 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien … wie man Bänke wäscht Man lässt sie schlafen. Tag und Nacht.- Den Neuen Sagt man. Hier schläft man sich gesund.- Nur Sonntags für den Besuch lässt man sie etwas wacher. Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal wäscht sie die Schwester - wie man Bänke wäscht... Gottfried Benn ( )

39 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Achtsamkeit über den Tod Es hat entscheidende Bedeutung, Achtsamkeit über den Tod zu entwickeln – darüber nachzudenken, dass wir nicht lange in diesem Leben bleiben werden. Wenn wir uns des Todes nicht bewusst sind, werden wir es versäumen, dieses besondere menschliche Leben, das wir jetzt erlangt haben zu nutzen. Dieses menschliche Leben i s t sinnvoll... Um das Leben sinnvoll werden zu lassen, ist es entscheidend, Altern und Tod als Bestandteil unseres Lebens zu akzeptieren. Hat man das Gefühl, der Tod sei so gut wie unmöglich, so bringt das nur mehr Gier und mehr Schwierigkeiten hervor. Dalai Lama, Der Weg zum sinnvollen Leben, Freiburg 2003,

40 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Auto - Nomos: Das Ideal vom autonomen Subjekt in Humanismus und Aufklärung Der vernünftige Mann, der sein Selbst absolut autonom entwickelt – abgespalten von Körperlichkeit und Abhängigkeit. Der vernünftige Mann, der sein Selbst absolut autonom entwickelt – abgespalten von Körperlichkeit und Abhängigkeit. © Elisabeth Wappelshammer

41 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Worin besteht das Neue, das Paradigmatische? … die Frau/der Mann in einer bio-psycho-sozial und spirituellen Komplexität … Komplexität braucht komplexe Arbeitsformen … der Mensch in seinen sozialen Bezügen mit den Hingehörigen (Careunit) … menschenwürdiges, nicht demütigendes Leben und Sterben in Organisationen der Organisationsgesell- schaft … Hospitalitas ist unteilbar Science et Charité_Picasso_1897

42 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien S. Sebastiano (B. Gozzoli – 1464) SAN GIMIGNANO – Chiesa di S. Agostino

43 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Palliative = Pallium = Mantel = Schild Fürsorgliches Beschützen - sorgende Abwehr Indoeurop.: palliativ = pell = pellte = Schilder für den waffenabwehrenden Einsatz Proculus Kapelle Naturns

44 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Inspiration durch abendländische Tradition der Gastfreundschaft und Mitleidenschaft lat. Hospitiumlat. Hospitium Absichtslose Gastfreundschaft für Fremde, unabhängig von Geschlecht, Religion, Status, etc.Absichtslose Gastfreundschaft für Fremde, unabhängig von Geschlecht, Religion, Status, etc. Aus der Perspektive der Betroffenen fühlen, denken und handelnAus der Perspektive der Betroffenen fühlen, denken und handeln Van.Gogh/D.barmherzige.Samariter(n.Delacroix.)St.-Remy.Mai.1890 Rembrandt

45 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Warum helfen? Compathie - Eine neue Ethik des Helfens Solidarisch helfen und Mitleidenschaft üben. (J.B. Metz) Im Gesicht des anderen Im Gesicht des anderen sehe ich wie im Spiegel sehe ich wie im Spiegel mich selbst mich selbst (E. Levinas) (E. Levinas) Bildquelle:

46 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Warum helfen? Antlitz (…) dieser Sinn der Armut, der Unbeholfenheit, des dem Tode Ausgesetztseins (…) ist ein Imperativ: Du sollst mich nicht töten, und Du sollst mich in meinem Sterben nicht allein lassen. Levinas E. (2005): Humanismus des anderen Menschen. S 136

47 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Relationale Autonomie einer Sorge-Ethik Wir wollen autonom bleiben, aber die Fähigkeit autonom zu handeln kann relativiert und eingeschränkt sein.Wir wollen autonom bleiben, aber die Fähigkeit autonom zu handeln kann relativiert und eingeschränkt sein. Als Menschen sind wir (immer) auf Verbundenheit und Fürsorglichkeit, auf Solidarität angewiesen und verwiesenAls Menschen sind wir (immer) auf Verbundenheit und Fürsorglichkeit, auf Solidarität angewiesen und verwiesen Besonders wenn wir alt, krank, verwirrt, sterbend und trauernd sind.Besonders wenn wir alt, krank, verwirrt, sterbend und trauernd sind.

48 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Relationale Autonomie einer Sorge-Ethik Autonomie meint auch …Autonomie meint auch … das moralische Recht, die Ansprüche von schwachen, vulnerablen, nicht entscheidungsfähigen Menschen in der Spannung von Autonomie und Umsorge/Fürsorge zur Geltung zu bringen. das moralische Recht, die Ansprüche von schwachen, vulnerablen, nicht entscheidungsfähigen Menschen in der Spannung von Autonomie und Umsorge/Fürsorge zur Geltung zu bringen.

49 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Es braucht eine neue soziale Sorge und Vorsorge Es braucht einen neuen sozialen und vorsorgenden Lastenausgleich Wir müssen alle neu lernen, uns mit der Last der Anderen zu belasten (Klaus Dörner) und diese Aufgabe als eine Bereicherung unseres eigenen Lebens zu sehen.

50 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Die neue Sorgekultur ist eine … die die Leidenden und Schwachen in der Mitte der Gesellschaft sieht;die die Leidenden und Schwachen in der Mitte der Gesellschaft sieht; die daher den lokalen Bezug pflegt und aufbaut;die daher den lokalen Bezug pflegt und aufbaut; Frauen und Männer und die nächste Generation aufsucht und findet, die sich einsetzen mit ihren vielen Möglichkeiten;Frauen und Männer und die nächste Generation aufsucht und findet, die sich einsetzen mit ihren vielen Möglichkeiten; die Hospizlichkeit sieht als Ort, Prozess und Haltung der Verwiesenheit aufeinanders in die Finanzierung hinein und darüberhinausdie Hospizlichkeit sieht als Ort, Prozess und Haltung der Verwiesenheit aufeinanders in die Finanzierung hinein und darüberhinaus Ohne eine Logik des Mangels kann keine Sorge entstehenOhne eine Logik des Mangels kann keine Sorge entstehen

51 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Leo Tolstoj (1908) auf einem Foto von Prokudin-Gorski Der Tod des Iwan Iljitsch er sah, dass niemand mit ihm Mitleid hatte, weil niemand seine Lage begreifen wollte; nur Gerasim begriff seine Lage und hatte Mitgefühl mit ihm. Und darum war Iwan Iljitsch nur wohl mit Gerasim. Ihm tat es wohl, wenn Gerasim manchmal die ganze Nacht hindurch seine Beine hielt und nicht weggehen wollte, sondern sagte: Sorgen Sie sich nur nicht um mich, Iwan Iljitsch, ich werde schon schlafen! oder plötzlich zum Du übergehend, hinzufügte: Du bist doch krank, da muss ich dich doch pflegen. …

52 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Einmal, als Iwan Iljitsch ihn wegschicken wollte, sagte er gerade zu: Wir alle müssen einmal sterben, warum soll ich nicht was für Sie tun? Und damit drückte er aus, dass er sich nicht belästigt fühle, weil er es für einen Sterbenden tat, und hoffte, dass auch ihm einst, wenn seine Zeit komme, ein Mensch helfen werde. Der Tod des Iwan Iljitsch Lew Tolstoj, Der des Iwan Iljitsch. Eine Erzählung, Frankfurt: Inseltaschenbuch 2427, 1961,

53 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Car il procède de lautre souffrant un donner qui nest précisement plus puisé dans sa puissance dagir et dexister, mais dans sa faiblesse même (223) Vom leidenden Anderen geht ein Geben aus, das eben nicht mehr aus seinem Vermögen zu Handeln und zu Existieren geschöpft ist, sondern aus seiner Schwäche selbst. (223) Cest peut-être là lépreuve suprême de la sollicitude, que linegalité de puissance vienne à être compensé par une authentique réciprocité dans léchange, laquelle, à lheure de lagonie, se réfugie dans le murmure partagé des voix ou létreinte débile de mains qui se serrent. (223) Das ist vielleicht der höchste Beweis der Fürsorge, dass die Ungleichheit des Vermögens kompensiert wird durch eine authentische Wechselseitigkeit im Austausch, die, in der Stunde der Agonie, sich verbirgt im geteilten Murmeln der Stimmen oder in der schwachen Umklammerung sich drückender Hände (223) Paul Ricoeur, Sorgen neu denken Paul Ricoeur

54 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Fürsorge: Suche nach Gleichheit in der Ungleichheit (225) Un soi rappelé à la vulnerabilité de la condition mortelle peut recevoir de la faiblesse de lami plus quil ne lui donne en puisant de ses propres réserves de force. Ein Selbst, das an die Verwundbarkeit der sterblichen Bedingtheit erinnert wird, kann von der Schwäche des Freundes mehr empfangen, als er ihm gibt,schöpft. (224) … Textgrundlage: Paul Ricoeur: Soi-même comme un autre, Editions du Seuil, 1990

55 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Den sozialen Mantel einer fürsorglichen Haltung schneidern 1.Ein Heim mit entwickelter Palliativer Kultur hat mindestens so viele Freiwillige wie beruflich Besch ä ftigte 2.Die Verantwortungsbereitschaft im sozialen Nahraum nimmt zu 3. Warum sollen sich B ü rgerInnen f ü r andere engagieren? es ist sinnvoll und stiftet Sinn die Auseinandersetzung mit dem Sterben vitalisiert das eigene Leben die eigene soziale Kompetenz entwickelt sich man ist an etwas Wichtigem beteiligt, das soziale Bedeutung hat (Ralf Dahrendorf) man hat soziale Kontakte und soziale Teilhabe

56 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Neue Sorgekultur es geht um ein Offenhaltenes geht um ein Offenhalten es geht darum hospizlich die Ruhe der Sterbenden zu hütenes geht darum hospizlich die Ruhe der Sterbenden zu hüten es geht politisch darum, hospizlich um-sorgende Gemeinden zu bauen (compassionate cities)es geht politisch darum, hospizlich um-sorgende Gemeinden zu bauen (compassionate cities) es geht um eine menschlichere Gesellschaftes geht um eine menschlichere Gesellschaft

57 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Was ist Freundschaft? Vorsorge für unser Lebensende wie geht das? Verena Staggl, 2006 Unsere Zukunft ist unvorhersehbar und lässt sich nicht mit Willensverlängerungen und im Modus der Verfügung klären.Unsere Zukunft ist unvorhersehbar und lässt sich nicht mit Willensverlängerungen und im Modus der Verfügung klären. Wir brauchen Menschen, die staunend und sorgend auf uns achten, und in der Lage sind in neuen Situationen dieses liebend- freundschaftliche Sorgen zu praktizierenWir brauchen Menschen, die staunend und sorgend auf uns achten, und in der Lage sind in neuen Situationen dieses liebend- freundschaftliche Sorgen zu praktizieren Wir müssen uns riskieren. Nähe, Sorge, Vertrauen, Liebe und Freundschaft leben und - was vielleicht schwerer ist - auch die Sorge anderer anzunehmenWir müssen uns riskieren. Nähe, Sorge, Vertrauen, Liebe und Freundschaft leben und - was vielleicht schwerer ist - auch die Sorge anderer anzunehmen

58 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Sorgekultur – Begriff und Programm Der Begriff der Sorgekultur ist im internationalen Diskurs von Sorge / Care sehr aktuell geworden. Culture of Care dient als Signal für folgende Ziele: Überwindung einer durchgehend ökonomisierten Sichtweise: der Mensch nur mehr als Kunde Überwindung des Trends zur Überprofessionalisierung und zu Eigenlogiken von Institutionen mit hochschwelligen Schnittstellen Verantwortliche und vertrauensvolle Anteilnahme des Menschen an seiner Umwelt und sich selbst Der Begriff der Sorgekultur ist daher mehr ein Programm als eine genaue Definition: Sorgen (Caring) ist die Aktivität, die alles umfasst, was wir tun, um unsere Welt zu erhalten, fortbestehen zu lassen und zu reparieren, so dass wir in ihr so gut wie möglich leben können. [1][1] [1] Tronto, Joan C. (New York 2013): Caring Democracy. NY University Press 2013, 19 [1]

59 Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Klagenfurt I Graz I Wien Sorgende Gemeinden/Gemeinschaften Die Caring Community richtet sich in diesem Sinne an folgenden Prinzipien aus: Sie entwickelt sich aufgrund der Zu(sammen)gehörigkeit der Verwandtschaft (Familie), des Ortes (Nachbarschaft), des Geistes (Freundschaft), des Wirtschaftens (Genossenschaft), des Glaubens (z.B. Kirche). Bürger/-innen entfalten im Sinne dieser Zugehörigkeiten multiple Identitäten, beziehen sich auf alle Aspekte von Zugehörigkeit. Infrastrukturen sind gemeinschaftsstiftend, fördernd, stützend (Beratung, Quartiersmanagement, Care und Case Management) Im Welfare Mix wird das Zusammenwirken der verschiedenen Sektoren moderiert: von Markt, Staat, Dritter Sektor, Gemeinschaften - regional und personbezogen. Das Thema Sorgekultur geht alle an, daher lässt sich die Sorge um die Sorge produktiv nutzen – in alten und neuen Allianzen von Unternehmen, Bürger/-innen, Kirchen, Zivilgesellschaft und in Generationen übergreifenden Anstrengungen als Investition und Vertrauen in soziales Miteinander.


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