Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Christoph Werneke SEXUALITÄT IN DER DEMENZ DIE SICHTWEISE DES PSYCHOBIOGRAPHISCHEN MODELLS.

Ähnliche Präsentationen


Präsentation zum Thema: "Christoph Werneke SEXUALITÄT IN DER DEMENZ DIE SICHTWEISE DES PSYCHOBIOGRAPHISCHEN MODELLS."—  Präsentation transkript:

1

2 Christoph Werneke SEXUALITÄT IN DER DEMENZ DIE SICHTWEISE DES PSYCHOBIOGRAPHISCHEN MODELLS

3 Dieu créa les etres humains Gen 1,27; 31 à sa propre ressemblance; il les créa homme et femme. Dieu constata que tout ce qu‘il avait fait était vraiment une très bonne chose. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

4 Was der Mensch nicht versteht, kann er auch nicht begreifen. Es macht ihm Angst oder erscheint ihm abnormal. Hintergrundwissen über Biographie und Sex fördert das Verstehen! Verstehen heißt: den Sinn erkennen Projektionen verhindern Freude am Beruf ohne Burnoutsyndrom

5 WER HAT DAS PROBLEM? Die Institution? Der Träger? Das Personal? Eigene Schamgefühle? Eigene Ängste? Eigene Moralvorstellungen? Eigene Abwehrreaktionen? Sicherungstendenzen (Adler)? Eigene Projektionen? Eigene unerfüllte Wünsche?... Problem benennen >>> assoziieren mit fachlichem Hintergrund >>> Impulse setzen

6 Vom Glück, dem anderen sein Glück zu gönnen Höchste US-Richterin verzeiht demenzkrankem Ehemann, dass er sie vergessen hat und eine andere liebt Von Uwe Schmitt Dieser Artikel erschien in der Zeitung DIE WELT am Washington - John O'Connor lächelt vage, etwas verwirrt im Oval Office an einem heißen Tag Anfang Juli Er steht zur Linken von George W. Bush, die Hände andächtig wie bei einem Begräbnis übereinandergelegt. Seine Frau Sandra Day O'Connor, zur Rechten des Präsidenten, strahlt ihr texanisches Lächeln. Alles ist gut. Sie hat ihr Rücktrittsschreiben vom Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten übergeben. Die erste Frau am U.S. Supreme Court verzichtet nach 25 Jahren auf ihre Entscheidungsmacht auf Lebenszeit. Aus Liebe zu ihrem Mann, der sie braucht. Noch braucht. John O'Connor, 77 Jahre alt, würde heute achtlos an George W. Bush vorbeigehen. Er hat nach 55 Jahren Ehe auch vergessen, wer Sandra ist. Aber er ist verliebt und glücklich. Und seine Frau ist so großherzig, ihm dieses Glück zu gönnen. Sie besucht ihn in seinem Pflegeheim in Arizona, ihn und seine neue Liebe: "Mom war ungeheuer erleichtert, Dad so entspannt und guter Dinge zu sehen", eröffnete Scott O'Connor in der vergangenen Woche einem lokalen Fernsehreporter. Sein Vater, vor 17 Jahren mit Alzheimer diagnostiziert, habe an Depressionen gelitten. Nun verhalte er sich "wie ein verknallter Teenager". Seine Mutter beklage das nicht. Aus dem lesenden und sehenden Volk kamen nicht nur Glückwünsche für die Noblesse von Sandra Day O'Connor. Das Geständnis des Sohns, frei von Schuld und Scham, rührte an eines der letzten Tabus: Liebe, gar sexuelle Begierde, im hohen Alter, erst recht in dementer Unschuld. Es gibt genügend Amerikaner, nicht nur junge, die den bloßen Gedanken an verliebte, freudig erregte alte Menschen degoutant finden, im Grunde ekelhaft. Andere sind bereit zur Debatte, nehmen sich des Themas aber mit spitzen Fingern und gespitztem Mund an. Gerade weil sie verstehen, dass es eines Tages ihre Eltern betreffen könnte, enge Freunde, sie selbst. Haben die Ehefrauen von Alzheimerpatienten, die irgendwann Witwen bei lebendigem Leib werden, das Recht, Männern, die ihr Leben vergessen haben, das bisschen Glück im Hier und Jetzt zu verbieten?...

7 FRAGEN ZUR SELBSTREFLEXION Welche Erinnerungen habe ich an Doktorspiele? Wie haben meine Eltern meine sexuelle Entwicklung begleitet? Was weiß ich noch von meinem ersten Mal? Was stört mich an meiner Weiblichkeit / Männlichkeit am meisten? Was bedeuten sexuelle Normen für mich? Sollte man einen Seitensprung immer erzählen? Was halten Sie von der These, dass alle Menschen bisexuell sind?

8 ... Lassen sich Liebe und Sex voneinander trennen? Welche 10 Worte rund um das Thema Sex werden in meinem Alltag am meisten benutzt? Wann ist Sprache für mich erotisch? Wann anstößig? Welche Gespräche zum Thema Sex gab es in meiner Familie? Welche Rolle spielt mein Körper in meinem Leben? Wie wurde in meiner Familie mit Nacktheit umgegangen? Welche Erinnerung habe ich an meine erste Menstruation? An meinen ersten Samenerguss?...

9 LEBENSTRIEB UND DESTRUKTIONSTRIEB Was hält mich am Leben, gibt mir Energie und Freude? Was empfinde ich als zerstörerisch, letztlich zum Tode führend? 1.Der Großteil der scheinbaren Alterserkrankungen ist psychosomatisch und verschwindet von selbst, wenn alte Leute noch Sex haben. Oder einen befriedigenden Partner finden. 2.In Altersheimen, die jeden sexuellen Kontakt zwischen den Insassen verbieten, liegt das Todesdatum ca. 7 Jahre früher als in denjenigen, die freien Zugang zu den Schlafräumen erlauben. Gibt es einen schöneren Beweis für den Lebenstrieb? 3.Die Kosten der Medikation sind für Menschen, die keinen Sex im Altenheim haben, um 30 % höher als in Heimen ohne Sex und Onanier-Verbot!

10 Normal oder gesund? Das normale Anti-Sex-Ver- halten ist eine Volksseuche! Warum lügen beim Sex alle Menschen? Weil jeder dazugehören will, kein Ausgestoßener, Sünder, Perverser sein will. Und jeder lebt im stillen Kämmerlein seine Triebziele, Triebobjekte, Perversionen aus. Dement sein heißt: nicht mehr lügen, gesund sein dürfen – aber eben auch nicht normal sein und nicht mehr dazu gehören!

11 Phasenschema nach Freud Oraler Sex: Mund und Besitz Hauterotik 1. anale Phase: Entleerungsfreuden 2. anale Phase: Zurückhalten als Gewinn Urethraler Sex: Bettnässen wie Onanie Phallischer Sex: Penis und Klitoris Latenzperiode: Identifikation mit Elternteil Genitaler Sex: kaum erreicht

12 Umkehrphänomen Sexualität nach Prof. Böhm 1.„normales“ Verhalten 2.höhere Reize nötig, Geltungstrieb vermehrt oder vermindert, Neid, Hass 3.ordinär reden, Schuldgefühle, paranoide Ideen, Aggressivität oder Regression, Triebtausch, Über-Ich-Normen schwinden 4.unterwürfig, zynisch, auf-opfernd, selbstverleugnend, Fresstrieb / Machttrieb / Bruttrieb vermehrt oder vermindert, Freiheitsdrang oder Regression 5.spielt mit Genitalien, schreit, Allmachtsgefühl, kritiklos, ungehemmt 6.selbstzerstörend, isst nicht, lehnt alles ab, Schuldgefühle, Destruktionstrieb

13 Ersatzhandlungen STATT Sex: infantile Regression – Sublimierung – sozialkollektive Sublimation – Projektion – Triebtausch (saufen oder kaufen, Macht, Aggression, Todestrieb) – Verleugnung – Triebabwehr – ordinäre Worte – Eifersucht

14 SCHLÜSSELREIZE SCH lüsselreiz + P rägung + Gefühl = C oping

15 Zeitgeistphänomenal: Dienstmädchen, Uniform, Reißverschluss, Koketterie Regional: Heimatfilm, Körperbild Singulär: Prägung, Fetischismus, Fixierung pars pro toto Tiefenpsychologisch: Po, Busen, Beine, Lippen; Symbole (Apfel, Zigarre), Archetypen und Mythen (vagina dentata)

16 Auszüge aus „Gaudium et spes“ (Art. 49, 1965) „Die echte eheliche Liebe wird höher geschätzt werden... wenn die christlichen Gatten durch das Zeugnis der Treue und Harmonie... sich hervortun... Jugendliche sollen über die Würde, die Aufgaben und den Vollzug der ehelichen Liebe am besten im Kreis der Familie selbst rechtzeitig in geeigneter Weise unterrichtet werden, damit sie, an keusche Zucht gewöhnt, im entsprechenden Alter nach einer sauberen Brautzeit in die Ehe eintreten können.“

17 Josephine Baker

18 Olympia 1936ArbeiterMatrosen in Uniform

19 Was sollen wir nun mit diesem Wissen tun? Diese Inhalte auch wirklich anwenden! genau hinschauen und dokumentieren das Sex-Problem und die Biographie erheben die Interaktionshöhe und den Seelennahrungsmangel erheben im Team mit dem fachlichen Wissen eine Assoziationskette bilden einen Impuls suchen: primum nihil nocere! ausprobieren und sinnvoll evaluieren

20 INTERESSANTE DENKMÖGLICHKEITEN BEOBACHTUNG ODER PROBLEM HERMENEU- TISCHE ASSOZIATI- ON ZUR BIOGRAFIE IMPULS ODER MASSNAHME

21 geboren 1929 in Löwenberg / Schlesien Diagnose: mittelschwere Demenz Medikamente: Axura, Risperidon Interaktionsstufe 4,7 Seelennahrungsmangel: Fremdwertgefühl kindliche Sprache: „Heiabettchen, Toilettchen, Heiaschläfchen machen, bring mir was zu essen“

22 zieht ihren Schleim (Sputum) hoch, verschmiert ihn überall holt ihren Stuhl aus der Hose, isst ihn oder wirft ihn an die Wand spuckt Essen und Trinken auf den Boden; magert ab, PEG wird erwogen je mehr sie von Augenzeugen (Bewohner, Personal) beschimpft oder ermahnt wird, desto mehr steigert sich ihr Verhalten

23 AUSSAGEN DER TOCHTER Arbeitermilieu Schlesien 1942 (?) Flucht nach Köln: Opa erhängt sich vorher und wird von den Kindern gefunden, Mutter verlor Zwillinge, Todesangst, Hunger, gefroren Mutter Dauergast in der Psychiatrie, sie hat sie dort „gefüttert“ Kontakt zur Schwester bricht ab ihr Mann ist spiel- und trinksüchtig, gewalttätig; Ehe wird geschieden, nachdem sie ihn in flagranti mit der besten Freundin im Bett erwischt hat 3 Kinder, zum ältesten Sohn nach der Scheidung kein Kontakt mehr Arbeit in der Fabrik und als Pflegehelferin bis zur Kündigung Kontakt zu Kindern und Enkeln, lebt mit schizophrenem Sohn zusammen vernachlässigt sich und den Haushalt, raucht 70 Zigaretten täglich, spuckt Nahrung aus, Sputum, schmiert Kot... sitzt in der Wohnung auf dem kot- und schleimverschmierten Sofa, schaut den ganzen Tag sat1, lässt sich vom Sohn bedienen nimmt extrem an Gewicht ab >>> Heimaufnahme

24 Verluste aller Art Traumatisierungen auf der Flucht und im Krieg Mutter und Sohn psychiatrieerfahren, Mann abhängig und gewalttätig Lebensthema Beziehungen bzw. Beziehungsabbruch anale Phase nach Freud: Thema der Verwahrlosung Fäkaliengleichung (Bezug zu Objekten): Ausscheidungen > Gegenstände > Tiere > Menschen Ziel: Umkehrungsmöglichkeiten schaffen (Reversibilität!) durch TAUSCHANGEBOTE

25 Wir bedanken uns für das Geschenk (Sputum, Kot...) und schenken etwas zurück: Therapieknete (anales Material) später Puppe später Zuwendung oder Zeit oder Berührung (forderungsloser Kontakt 5 x tgl. 5 min) Dabei gilt: Die größte Veränderung muss bei uns selbst passieren. Keinen Ekel zeigen! Kein erhobener Zeigefinger! Wer das nicht aushält, hat in der Pflege von Frau Bayer nichts verloren.

26 Pflegeberichte Frau B. hat mir ihren Schleim geschenkt, ich habe mich bedankt und ihr die Therapieknete geschenkt,sie hat sich gefreut Betthimmel angebracht, sie hat ihn gut angenommen, schaut ihn an oder fasst ihn an aber reißt nicht daran Frau B, mag ihre Puppe auf meine Frage wie sie heißt, sagt sie mir Monika und auf meine Frage, wer ist Monika antwortet sie meine Freundin Frau B. hat ihr gesamtes Essen selbstständig zu sich genommen, nichts auf den Boden gespuckt Auf meine Frage, darf ich dann abräumen sagt sie, ja aber den Kaffee und das Wasser lässt Du mir bitte stehen (Ich bin fast gegen den Schrank gestolpert, da ich soviel Sprache nicht für möglich gehalten habe) Bei der Morgenpflege hebt sie auf meine Frage ihr Becken damit ich die Hose ausziehen kann,trotz der schweren körperlichen Einschränkung Frau B. holt keinen Schleim oder Stuhl raus und schmiert ihn rum Fragt nach der Zeit, ob ihr Sohn noch zu Besuch kommt, die Tochter kommt, sie fragt sie ob sie mit dem Roller da ist.

27 Abschließende Betrachtungen Frau Bayer isst selbstständig ohne das sie auf den Boden spuckt, sie hat 2,5kg zugenommen. Eine PEG-Anlage ist nicht mehr erforderlich. Ihr Sprachschatz und ihr Ausdruck in Sprache ist viel größer wie vorher. Sie fühlt sich wohl in ihrem Zimmer und mit den getroffenen Vereinbarungen, sie wirkt Angstfrei und hat Vertrauen zum Pflegepersonal. Die Beziehung zu ihren Kindern und zum Pflegepersonal reichen ihr. Sie hat viel weniger Schlafzustände (Sopor) wie früher wo sie 24 Stunden durchschlief. Sie holt sehr selten den Schleim hoch und verschenkt ihn. Beschäftigung im Zimmer auch einen Spaziergang nimmt sie gerne an heute ( ): Sie holt gar keinen Schleim mehr hoch, sie schmiert nicht mehr mit Stuhl. Sie konnte durch die Puppe “Monika“ auf die Entwicklungsstufe Beziehung gebracht werden. Neuroleptika auf die Hälfte reduziert, weitere Reduzierung ist angedacht.

28 Evaluation : Interaktionsstufe 3,4 DANKE FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT

29 LITERATUR ADLER BÖHM BÜHLER BÜSCH/MAGES FERENCZI FREUD WALTER/HOYLER-HERRMANN WERNEKE


Herunterladen ppt "Christoph Werneke SEXUALITÄT IN DER DEMENZ DIE SICHTWEISE DES PSYCHOBIOGRAPHISCHEN MODELLS."

Ähnliche Präsentationen


Google-Anzeigen